Nachzuchttour Deutschland Mai 2019

Vom 14.-16.Mai 2019 organisierte Harms Jörg von GGI- Spermex für Holstein Austria in Vertretung durch Geschäftsführer Terler Hans, Ing. Deutinger Bruno und Ing. Hartl Roland eine Nachzuchttour in den Gebieten Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Hessen.

An den Tagen wurden gesamt 43 Holstein Nachzuchtkühe auf 20 unterschiedlichen Betrieben, der Stiere Bermuda, Bewes, Midas und Payball besichtigt.

Bermuda ist ein Balisto-Sohn und geht auf die berühmte Man-O-Man-Tochter Opine VG87 zurück, die mit Söhnen in vielen Besamungsstationen vertreten ist. Die gewünscht nur mittelrahmigen Bermuda-Töchter sind mit ausreichender Körpertiefe und Stärke versehen und stehen auf erstklassigen Fundamenten. Die Beine sind nicht zu steil. Ihre Becken waren leicht abfallend und von guter Breite. Bei der Eutervererbung stechen besonders die hohen Hintereuter ins Auge, aber auch das Zentralband und die Striche waren wünschenswert ausgeprägt. Er ist auch als Kalbinnenstier geeignet. Derzeit hat er 737 Töchter in Milch, welche auf 204 Betrieben verteilt sind.

Mit Bewes sahen wir einen späteren, aber deshalb nicht weniger interessanter Boss-Sohn. Seinen Ursprung hat dieser Kalbinnenstier in der Zuchtstätte Klein Schwechten. Am Betrieb stehen immer noch Mutter und Großmutter. Die Blutkombination Boss x Beacon x Gibor x Boss Iron steht für unauffällige Produktionskühe. Bewes vererbt mittlere Milchmenge mit positiven Inhaltstoffen und mittelrahmigen Exterieur. Er hat derzeit 26 melkende Töchter auf 13 Betriebe.

Midas entstammt einer leistungs- und exterieurstarken, tiefen Kuhfamilie aus Seyda, deren Mitglieder immer wieder erfolgreich als Schau- und Zuchtkühe in Erscheinung treten. Seine Töchter sind mittelrahmige, korrekte Kühe mit besten Kalbewerten. Bei der Fundamentsvererbung konnten die Tiere durch eine parallele Beinstellung, eine gute Knochenstruktur und eine sehr gute Bewegung überzeugen, das ganze bei einer durchschnittlichen Winkelung. Zu erwähnen ist jedoch noch der etwas flachere Klauenwinkel. Die Euter waren ansprechend beadert mit gut platzierten, mittellangen Strichen. Die Hintereuter waren hoch und breit und mit einem guten Zentralband ausgestattet, sie sind durchwegs robotertauglich. Die Midas-Töchter beginnen die Laktation eher verhalten, zeigen aber dann ihre Leistungsbereitschaft mit viel Milch bei sehr guten Zellzahlen. Von ihm sind bereits 258 Töchter auf 92 verschiedenen Betrieben in Milch.

Payball stammt aus Dänemark ab und geht auf die kanadische SWEET-Familie zurück. Neben seiner Vererbung ist sicherlich auch seine Blutführung ein ausschlaggebender Faktor. Seine ausnahmslos schwarzbunte Väterfolge macht den rotbunten Perfect Aiko-Sohn für beide Holstein-Farbrichtungen interessant. Er bringt leistungsbereite und euterstarke Tiere mit stabilen Fundamenten und sehr hohen Trachten. Auch für den Einsatz bei Kalbinnen ist er gut geeignet. Neben seinem starken Exterieur kann er auch in der Fitness so wie bei der Nutzungsdauer sehr positiv auf sich aufmerksam machen. Payball wurde bereits als Jungstier schon viel eingesetzt, so dass von ihm bereits 707 Töchter in Milch sind. Diese Kühe verteilen sich auf 415 Betriebe.

Am ersten Tage befanden sich die Nachzuchtkühe im Osten Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern und am zweiten Tag in dem Gebiet Sachsen-Anhalt. Hier waren neben den produktiven Kühen auch die riesige Struktur und das top Management um die Betriebe rundherum extrem beeindruckend. Beinahe alle Betriebe sind bei dem Projekt KuhVision dabei oder waren teilweise sogar schon bei den so früheren „Testherden“ dabei, welche der Grundstein für KuhVision waren.

Die Betriebsgrößen liegen zwischen 400 – 2500 Kühe plus der jeweiligen Nachzucht, es wird bei den größeren Betrieben meist 3mal täglich gemolken und der Jahresschnitt befindet sich zwischen 10.500kg und 13.000kg Milch. Die Tiere waren alle sehr gut gepflegt und auch auf jedem Betrieb sehr einheitlich. Sprich es waren fast ausschließlich mittelrahmige, robuste Kühe, welche sehr gute Euterformen mit korrekt platzierten Strichen zeigten. Die Euterformen sind der Weiterentwicklung Richtung automatisches Melken zuzuschreiben. Die Betriebsleiter betonten neben den hohen Aufzuchtkosten für das Jungvieh mehrmals auch das Problem gutes Personal für die Melkarbeit zu finden. Viele Betriebe mussten im vergangenen Jahr große Mengen an Futter zukaufen, da bei ihnen kaum Niederschlag fiel (normales Jahr 500 mm Niederschlag). Daher haben sie im Jahr 2018 auch die Tierbestände stark verjüngt und teilweise das Personal reduziert. Der Milchpreis gestaltet sich derzeit für ihre Situation sehr stabil und auch der Absatz der männlichen Kälber ist bei ihnen durchwegs positiv, jedoch ist der Unterschied zu dem Kreuzungskälbern nicht so hoch und somit werden bei ihnen auch weniger Fleischrasse-Kreuzungen gemacht. Die Besamungen werden alle künstlich durch spezielle Besamungstechniker vorgenommen und rein für das „Ausputzen“ befindet sich auch ein Sprungstier am Betrieb. Das Erstkalbealter liegt meist zwischen 21 und 25 Monate, wo erwähnt werden muss, durch die gut abgestimmte Jungviehaufzucht sind die Tiere sehr gut entwickelt zum Zeitpunkt der Besamung. Somit ergeben sich auch bei ihnen ähnliche Kosten in der Aufzucht, wie bei uns in Österreich, wodurch auch bei ihnen der Exportabsatz nicht kostendeckend für die Betriebe ist.
Nach den Tagen in Ostdeutschland und Sachsen-Anhalt, wo auf 14 Betrieben die Nachzuchten von den Stieren Bermuda, Bewes und Midas besichtigt wurden, ging es am letzten Tag in das Gebiet Hessen, wo im Norden gestartet wurde.
In Hessen sahen wir 10 Töchter vom Stier Payball, welche auf Betriebsgrößen von 60 Kühe bis 220 Kühe pro Betrieb verteilt waren. Die Betriebe in Hessen waren wieder Familienbetriebe und melken 2mal täglich. Auch in diesem Gebiet sind die Jahresleistungen deutlich über 10.000kg Milch (10.500kg – 12.500kg). Auch die Landschaft ist wieder kleiner strukturiert und man hat wieder viel mehr Grassilage in der Ration, auf Grund des Dauergrünlands, welches im Osten nur entlang größerer Flüsse zu finden ist. Abschließend ist zu sagen, dass die genomischen Jungstiere im Holsteinbereich auf einem hohen Niveau ihre Vererbung bringen und dies auch später als nachkommengeprüfte Stier bestätigen können.

An dieser Stelle noch ein herzliches Dankeschön an Jörg Harms, Holger Riemer, Astrid Ziem und Bernd Koch für die super Organisation und den perfekten Ablauf der Nachzuchttour.