HOLSTEIN AUSTRIA beschließt Herkunftskennzeichnung

In der Vorstandsitzung am 7.Juli 2020 in Dürnstein, haben die Vertreter der österreichischen Holstein- und Jerseyzüchter einstimmig die Einführung der Kennzeichnungspflicht beschlossen.

Mit dieser Beschlussfassung wurde den Initiativen der Rinderzucht Tirol, der Interessensvertretung und von Land schafft Leben, Rechnung getragen.

Gemeinsam fordern wir die verpflichtende Herkunftskennzeichnung auf dem Teller

Nachdem uns der Würgegriff von Corona ein wenig loslässt, geht es wieder weiter in der Diskussion zu den Themen Tiertransporte, Tierwohl, Billig-Importe…. und der immer wiederkehrenden Frage für unsere Landwirtschaft, der Chancengleichheit auf dem internationalen Markt. Ein wichtiges Zeichen für diese Chancengleichheit wäre dazu die Herkunftskennzeichnung auf dem Teller.

Wir möchten euch nun um Unterstützung bitten in der Vertretung und Weiterleitung dieser für die heimische Landwirtschaft so wichtigen Forderung. Die aktuellen Entwicklungen können wohl als Rückenwind für unser Anliegen gesehen werden. Trotzdem brauchen wir nun den Schulterschluss aller in der Branche in Österreich Beteiligten, um dieses Anliegen möglichst breit zu unterstützen und in die zuständigen Gremien zu tragen.

Die vergangenen Wochen haben uns gezeigt, wie wichtig die heimische Produktion von Lebensmitteln ist. Die heimische Landwirtschaft versorgt uns auch dann mit Lebensmittel, wenn die Grenzen geschlossen sind“. In Zeiten einer Coronakrise stießen diese beiden Sätze bei allen auf großes Verständnis und oft wurden unsere Bäuerinnen und Bauern als wichtige Stützen in der Versorgungs- und Ernährungssicherheit auf das Podest – wie auch andere systemrelevante Berufsgruppen - gehoben. Es wurde auch oft genug in politischen Statements wie auch in der Werbung darauf hingewiesen, wie stolz man darauf ist, dass wir eine Landwirtschaft haben mit hohen Sozial-, Umwelt- und Produktionsstandards, die unsere Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen kann, auch in Krisenzeiten!

Nun brauchen wir aber nach Corona die notwendigen Begleitwerkzeuge dazu, damit die österreichischen Bäuerinnen und Bauern ihre Aufgabe als systemrelevanter Sektor – unverzichtbar für Ernährungs- und Versorgungssicherheit der österreichischen Bevölkerung – erfüllen können. Auf Dauer können die österreichischen Bäuerinnen und Bauern ihre Höfe nicht mit höchsten Standards und den erschwerten Bedingungen des Berggebietes bewirtschaften, wenn anderseits Lebensmittel billigst importiert, aus vielen Ländern aller Kontinente, mit anderen Standards produziert und anonym auf den Tellern landen.

Nur als Beispiel: Vor ca. 10 Jahren waren noch 2/3 des in Österreich verzehrten Kalbfleisches heimisch, heute sind es nur mehr 1/3. Das mittlere Drittel wurde ausgetauscht: Heimische Kalbfleischproduzenten warfen das Handtuch und wurden ersetzt durch Importkalbfleisch! Wenn man das nun 10 Jahre weiterrechnet, so kommt hochgerechnet in 10 Jahren das gesamte Kalbfleisch fast zu 100 % aus anderen Ländern. Diese Entwicklung gibt es nicht nur beim Kalbfleisch, dazu würde es auch viele Beispiele aus anderen Bereichen geben.

Für uns als Produzentenorganisation ist deshalb klar, dass nur eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auf dem Teller ein wesentlicher Schlüssel dafür ist, um diese Entwicklung „Austausch der heimischen Produktion durch billige Importlebensmittel“ zu verhindern. Mit der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung auf dem Teller gibt man den heimischen Konsumenten und Bauern eine faire Chance in der Auswahl der Lebensmittel und der Entscheidung über die Entwicklung der zukünftigen Versorgungssicherheit. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass die heimischen Bäuerinnen und Bauern nicht nur hochwertige Lebensmittel produzieren, sondern auch die Garanten in der Bewirtschaftung des Berggebietes mit den Almen für Gesellschaft, Tourismus und Gäste, verbunden mit dem Schutz des Lebensraumes darstellen.